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Die Bibliothek Xaver Schnyder von Wartensee

Einen wertvollen Teil des heutigen Bücherbestandes der Museumsgesellschaft bildet die Bibliothek von Franz Xaver Schnyder von Wartensee (1786-1868), die er der Museumsgesellschaft testamentarisch vermacht hat. Die aktuelle Ausstellung im Foyer und im Debattierzimmer hat diesen speziellen Bestand der Museumsgesellschaft im Fokus.

Heute zwar weitgehend vergessen, war Schnyder von Wartensee einer der bedeutendsten Schweizer Komponisten im Übergang von der Klassik zur Romantik. Er hatte zwar einen starken emotionalen Bezug zu Zürich, lebte aber die meiste Zeit seines Lebens in Frankfurt am Main, wo er als Musikpädagoge und Komponist arbeitete. Er war entsprechend auch nicht Mitglied der Museumsgesellschaft, kannte und schätzte die Institution aber sehr.

Nach seinem Tod im August 1868 diskutierte die Vorsteherschaft der Museumsgesellschaft bereits im November desselben Jahres seine testamentarische Verfügung, entschied sich aber erst im Juni 1869 zur Annahme der Schenkung. Nach weiteren vier Jahren wurde die Bibliothek Schnyder von Wartensee mit der Herausgabe der 5. Auflage des Bibliothekskatalogs von 1873 für die Mitglieder der Museumsgesellschaft zugänglich gemacht.

Wie viele Bücher ursprünglich der Museumsgesellschaft anvertraut worden waren und wie viele davon tatsächlich Eingang in die Bibliothek gefunden haben, ist rückblickend schwierig zu eruieren. Im Jahresbericht von 1868 ist von 2‘000 Bänden die Rede, die die Schenkung umfasse, 1871 heisst es: »In den neuen Katalog werden hingegen auch die 311 Titel der Schnyderschen Bibliothek aufgenommen werden.« Die Signatur S, mit der die Schenkung signiert wurde, reicht aber immerhin von S 1 bis S 1329. Es ist also von sicher über 1‘000 übernommenen Bänden auszugehen.

Für die damals noch junge Museumsgesellschaft bedeutete das einen enormen Zuwachs. 1864 umfasste der gesamte Bücherbestand erst 3‘868 Titel, er wuchs dann aber bis 1871 bereits um rund die Hälfte auf 5‘396 Titel an. Gleichzeitig auch noch eine so umfangreiche Schenkung zu bearbeiten, brauchte verständlicherweise Zeit und scheint die Vorsteherschaft der Museumsgesellschaft in Kombination mit den Transportkosten, die übernommen werden, sowie mit drohenden Erbschaftssteuern, die an »die auf Steuern erpichten Preussen« entrichtet werden mussten, etwas in Schrecken versetzt zu haben.

Die Schenkung von Franz Xaver Schnyder von Wartensee enthielt, wie er selber schrieb, »meistens im belletristischen Fach das Vorzüglichste, was die deutsche, französische, englische, italienische und holländische Sprache bieten. Teils durch die günstige Lage meines Wohnortes Frankfurt, teils durch meine vielen Reisen bin ich mit den bedeutendsten Männern meiner Zeit in nähere Berührung gekommen; z.B. mit Goethe, Fr. Rückert, Börne, Jean Paul, Beethoven, Spohr, Moscheles, Hummel, Paganini