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Die elegante Welt

 „Zeitschrift für die ele­gan­te Welt“ – der Titel lässt an die Hochglanz­maga­zine denken, die heutzutage grossen Ta­ges­zeitungen wie NZZ oder FAZ monat­lich beiliegen. Doch wäh­rend es diese nur auf den Reichtum ei­nes saturier­ten Publi­kums, v.a. aber auf die Inserenten abge­sehen haben, war „Wohl­ha­benheit“ nur eines der Charakte­ris­tiken des Zielpublikums der „Ele­gan­ten Welt“, die ande­ren waren: Kultur und Stand. Und was die Kultur an­ging, so gab man sich nur mit dem Besten der Zeit zufrieden – und pflegte gleichzeitig einen Kulturbegriff, der von der hohen Literatur bis zu Luxus und Mode reichte. Der Gegensatz zwischen dem Schönen und Nützlichen wurde ausdrücklich als „unzeitiger Schulrigorismus“ ver­worfen, und gegen diesen Rigorismus heisst es in Anspielung auf Schiller programmatisch: „Der Mensch, der mit seinem Leben spielt, ist nicht blos glücklicher für sich, sondern auch geselliger, heiterer, unschädlicher.“

Die 1801 gegründete Zeitschrift, die mehrmals wöchentlich erschien und erst 1859 erlosch, versammelt eine thematisch sehr breite Palette an Artikeln: literarische Texte, Städtebeschreibungen, Theater- und Kunst­berichterstattung, Hof- und Bädernachrichten, Berichte über Mode und die Dinge des Luxus (Möbel, Gartengestaltung etc.), ergänzt und illustriert mit kolorierten Kupfern und Musikbeilagen. Der gemeinsame Nenner war der Anspruch auf Qualität und die Gewissheit, es mit einer Leserschaft zu tun zu haben, die diesen Anspruch teilte. Aus­ge­schlossen blieb allein die Politik, implizit aber war sie gegenwärtig in der Parteinahme für den liberalen Fortschritt. Eine ähnlich kühne, etwas snobistischere Variante dieser Verbindung von avancierter Intelligenz und Offenheit für alle Spielarten der Kultur bis hin zu Sport, Mode und Klatsch findet sich erst wieder im „Querschnitt“ der 1920er-Jahre von Hans von Wedderkop (auch diese Zeitschrift findet sich in der Museumsgesellschaft: C 321).

Ausgerechnet diese „Elegante Welt“ wurde, nachdem die Zeitschriften der Romantiker allesamt früh wieder eingegangen waren, das Organ der Romantik und das Kampfblatt gegen den „Freimüthigen“ von August von Kotzebue, der gleichermassen gegen die Romantiker wie gegen Goethe zu Felde zog. Hier, in der „Eleganten Welt“, schrieben die Brüder Schlegel, Novalis und Tieck, aber auch Jean Paul (Schwiegervater des ersten Herausgebers Spazier), Goethe und Schiller.

Am Schluss der Ausgabe vom 14. Mai 1805 findet sich folgender kurzer, bewegter und bewegender Eintrag, der als Beispiel zitiert sei: „Weimar. Donnerstag Abend den 9ten May 1805. – Leider eröffne ich meinen Brief mit einer Nachricht, die Ihr Herz erschüttern wird, so wie sie unser Aller Herz erschüttert hat. Schiller ist todt. Es ist sieben Uhr Abends. Vor einer Stunde ist er gestorben. Schon seit einiger Zeit litt er an Krämpfen. Gestern und vorgestern waren sie so heftig, dass sie sich mit Blutspucken zeigten. Heute phantasierte er häufig, viel von Kriegern, von Soldaten. Mehrmal hat er Lichtenbergs Namen genannt. Hierauf ein tiefer Schlaf, ein Aufwachen, und dann ein sanftes Verscheiden – so ist sein Tod gewesen – – „                  Th. Eh.

Zeitung für die elegante Welt, hrsg. von Karl Spazier [später August Mahlmann, dann Heinrich Laube]. Leipzig: Georg Voss 1801—1848. – MUG Signatur: D 242