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Fundstück: Jacobis Spinoza-Büchlein mt Randbemerkungen Lavaters

Der Philosoph, Schriftsteller und Freund Goethes, Friedrich Heinrich Jacobi (1743-1819), hat sein „Spinoza-Büchlein“ (so hat es Matthias Claudius genannt) zuerst 1785 veröffentlicht und damit in seiner Zeit Epoche gemacht. Dabei ging es zunächst um nicht mehr, allerdings auch nicht weniger, als Lessings Weltanschauung: Lessing habe sich ihm gegenüber kurz vor seinem Tod zu Spinoza bekannt. Was war daran so aufregend, dass sich Moses Mendelssohn zu einer ausführlichen Replik genötigt fühlte, die Jacobi wiederum mit einer ebenso langen Duplik beantwortete, dass sich Herder dazu äusserte und Goethe in den dem Buch vorausgegangenen „Spinoza-Konferenzen“ vom September 1784 seiner eigenen Weltanschauung bewusst wurde?

Spinozas Ineinssetzung von Natur und Gott, sein Pantheismus galt im späten 18. Jahrhundert als Atheismus. Dagegen meinte Mendelssohn seinen Freund Lessing verteidigen zu müssen. In der Folge drehte sich die Diskussion wesentlich um die Frage, ob sich Spinozismus und Religion vereinbaren liessen oder ob dieser notwendig zum Atheismus führe. Lichtenberg notierte in dieser Zeit: „Wenn die Welt noch eine unzählbare Zahl von Jahren steht, so wird die Universalreligion geläuterter Spinozismus sein. Sich selbst überlassene Vernunft führt auf nichts andres hinaus, und es ist unmöglich, dass sie auf etwas anderes hinausführe.“

Unser Exemplar ist dasjenige des Zürcher Pfarrers Johann Caspar Lavater. Wie es in die Bibliothek der Museumsgesellschaft gekommen ist, ist unbekannt, der Name des Vorbesitzers ist ausradiert, aber von seiner Hand lesen wir im Innendeckel: „Mit eigenhändigen Randbemerkungen Jo. Caspar Lavaters.“

Lavater hat vor allem mit schwarzer Feder Passage angestrichen und sich am Rand den Namen dessen notiert, der an der Stelle referiert wird. Er hat aber auch einige ausformulierte Bemerkungen, darunter eine ausführliche hinterlassen. Dazu ein Beispiel: Jacobi hat in der Erstausgabe zum erstenmal Goethes „Prometheus“ abgedruckt. Neben die Strophe „Ich Dich [Zeus] ehren? Wofür? / Hast Du die Schmerzen gelindert / Je des Beladenen? [...] Hat nicht mich zum Manne geschmiedet / Die allmächtige Zeit / Und das ewige Schicksal, / Meine Herrn und Deine?“ Hat Lavater notiert: „Natürliche Sprache dess, dem kein genius – Gott ist.“    Th. Eh. (Juli 2007)

[Friedrich Heinrich Jacobi]: Ueber die Lehre des Spinoza in Briefen an den Herrn Moses Mendelssohn. Neue vermehrte Ausgabe. Breslau: Gottlieb Löwe 1789. LI, 440 S. mit gestochener Titelvignette, Frontispiz, Zwischentitel und Schlussvignette von J. P. Langer, M. Seyffer, gestochen von E. CX. Thelott, Düsseldorf. Pappband der Zeit. – Signatur: E 502.