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Fundstück: K 9209: Scherz - Spannung mit Niveau

Im Kellermagazin der Museumsgesellschaft stehen zwei besondere Regale. Sie sind voller Bücher, deren Signatur mit K 9209 beginnt.

Den Anfang macht 1947 als Band Nr. 1 der Reihe «Die schwarzen Kriminalromane» aus dem Scherz Verlag «Das Eulenhaus» von Agatha Christie, beschlossen wird der Bestand in der Museumsgesellschaft 1993 mit «Scherz Krimi» Nr. 1393: Alfred Hitchcock: «Mein abge­feimtester Mords-Reigen». Insgesamt befinden sich rund 800 Titel dieser Verlagsreihe mit dem Motto «Spannung mit Niveau!» im Bestand der Gesellschaft.

Gegründet wurde der Scherz Verlag 1938 vom Berner Buchhändler Alfred Scherz. Im Oktober 1939 erschienen als erste Publikationen des Verlags zwei Sachbücher. Der Erfolg dieser beiden Titel erlaubte die Aufnahme von belletristischen Werken ins Programm des Folgejahres, darunter viel angelsächsische Literatur, die in NS-Deutschland nicht mehr herausgege­ben werden konnte.

1943 publizierte der Verlag die ersten drei Krimis von Agatha Christie auf Deutsch und damit zugleich die wahrscheinlich ersten Taschenbücher in deutscher Sprache überhaupt. Bis 1946 erschienen neun Titel von Chris­tie, bevor 1947 die Reihe «Die schwarzen Kriminalromane» lanciert wurde, mit dem Ziel den «fragwürdigen Detektivroman» durch den «litera­risch wertvollen Kriminalroman» zu ersetzen. Die Reihe wurde im Lauf der Zeit verschiedentlich umbenannt: «Scherz action Krimi», «Scherz classic Krimi» oder einfach «Scherz Krimi». Die namhaftesten englischen und amerikanischen Krimiautoren wurden hier publiziert, und sämtliche James-Bond Romane von Ian Fleming erschienen ab 1966 als «Scherz Krimi». 

Das äussere Erscheinungsbild der «Scherz Krimis» blieb bis 1960 unver­ändert. Ein schwarz-weiss gestreiftes Cover mit rot unterlegten Rahmen für Autor und Titel sowie das Format 13x19 cm charakterisieren die Buch­gestaltung und sorgen für einen sofortigen Wiedererkennungseffekt. Die Anschaffung dieser Titel zeugt für die Offenheit der Museumsgesellschaft gegenüber einem Medium, das in zweierlei Hinsicht verpönt war: Das Taschenbuch mit seinen Massenauflagen und der billigen Aufmachung galt in intellektuellen Kreisen als minderwertig, und dem Kriminalroman haftete etwas Unanständiges an, seine Lektüre wurde als – wenn auch weit verbreitetes – Laster begriffen.

Neben der erfolgreichen Krimireihe publizierte Scherz auch Jugendbücher sowie während des Krieges, als kaum mehr englischsprachige Literatur nach Europa gelangte, eine englischsprachige «Continental Edition» mit den bedeutendsten neuen Werken von englischen und amerikanischen Autoren im Original. Louis Bromfield, Pearl S. Buck, Dale Carnegie, A.J. Cronin, Warwick Deeping und Upton Sinclair, aber auch Leo Tolstoj und Alexander Solschenizyn waren «Scherz Autoren». Die Reihe «Parnass-Bücherei» mit ihren handlichen Bändchen, in denen die deutsche Klassik und Romantik abgedeckt wurde, erschien von 1943 bis 1959 bei Scherz, eine Reihe von Kunstmonografien vervollständigten das Verlagspro­gramm. Als bedeutendstes Werk des Verlags gelten die Memoiren von Winston Churchill, der die deutschen Rechte an seinem Werk Scherz übertragen hatte.

2003 wurde der Scherz Verlag von S. Fischer übernommen, die «Scherz Taschenbücher» wurden eingestellt, und lediglich die erfolgreichen Titel (z. B. von Agatha Christie) wurden als Fischer Taschenbuch weitergeführt. In der Museumsgesellschaft sind allerdings nach 1993, als die Anschaf­fung der «Scherz Krimis» offenbar eingestellt worden war, lediglich noch rund 20 Titel aus dem Scherz-Verlag gekauft worden. 

Sämtliche Kriminalromane mit der Signatur K 9209 können in der Biblio­thek der Museumsgesellschaft ausgeliehen werden.