Partner:   Stadt Zürich Kultur      Zürcher Kantonalbank

Hinter Zäunen wachsen Himbeeren von Melanie Khoshmashrab

Text des Monats April 2016 (Thema: Musikstück)

Autor/in:

Das Musikstück: Kat Frankie, «Please don’t give me what I want», aus dem gleichnamigen Album von 2012. Hier geht’s zum Song.

 

Hinter Zäunen wachsen Himbeeren

 

nachts

tauschen wir hautfarben

lauschen wir wechseltönen

schwarz und weiss, hell und dunkel,

dunkelweiss, hellschwarzdunkel,

leiser als laut

weisst Du noch

vor einer weile träumtest du von laken, die mich reflektieren

von lampen die schwarzes licht absorbieren

jetzt liegst du still und zuckst nur manchmal

ein weiches tier liegt neben dir

er war schon vorher hier

ein orca,

wahlweise tot dann doch lebendig

er fliegt dich durch die zwischenwelten

die

im wechsellicht nur gelten

sein rücken ist dir eben, sein kopf ist fluchtpunkt nur,

nicht mehr

ich wache

dann und wann

zieh’ ich kreise im helldunkel

such’ zeilen um den mund

nebenan

ist es warm und endlich

lösen sich die fragen

ob flugzeuge stillstehen

ob messer jetzt schweigen

ob löcher sich schliessen

und                                                                 lauter

schiefe türme nun fallen

Ich seh’ dich

nicht

anfangs

nur im mosaik

bist du stumm

entrückt

 

tags

gehen wir

im licht, du wirfst schatten

knopf im ohr, sieht dir ähnlich

anderes geschreie, marktgerenne

du kennst die kartoffel, kennst die möhre

die himbeere ist dir namenlos

ohne gesicht

bloss ein geformter gedanke

kennst fleisch und knochen doch

deinesgleichen siehst du nicht

ringsum

viel raum, nur leere spiegel

du fragst mich

still mit schwarzen augen

dieser ort

er ist nicht fremd

nur neu, sag hei

mattis, denn so heisst du

nun

auf neuem papier – schwarz auf weiss         ich

ertaste dein staunen

scheu lachst du oder betest

bestimmt

farben tauschen keine temperatur

nicht einmal heim

lich                                                                 du

bist wie

du bist

sein möchtest

hier und da

ohne spiegel, ohne mund,

mit geschichte und gesicht

im schwarzen und weissen

immer hell und

immer unbunt

immer un

bunt

grundlos

bloss

                                                                       laut und leise

unter kunststoff

ist die welt hier

ein experiment, mehr als kunst noch

die nächte und tage vergehen

bleib hier,

bleib bei der farbe

die deine ist

und meine sein darf

bleib,

lass die flugzeuge ohne dich fliegen

die messer ohne dich schneiden

die löcher gestopft

träumst du von hier oder dort

geh bitte nicht fort

denn hier darfst du sein und ich will von dir lernen

die flucht ist ein segen gewesen

grenzen sind nur menschgemacht

für mich

für dich

vielleicht

später

leiser