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Programm

Montag 16. Juni 2014  

Café Philo «Vitesse» – mit Insa Wilke und Michael Pfister

Insa Wilke und Michael Pfister diskutieren entlang des Begriffs der Geschwindigkeit, der Beschleunigung, ausgehend von Texten aus der Philosophie, Soziologie, aber auch der Literaturgeschichte (u . a. Hartmut Rosa «Beschleunigung und Entfremdung», Saint-Pol-Roux ‚ «Geschwindigkeit», Aleida Assmann ‚ «Ist die Zeit aus den Fugen?»).

Datum: Montag 16. Juni 2014
Zeit: 20.00 Uhr
Preis normal CHF 12.00
Preis ermässigt CHF 8.00

Teilnehmer/in:

Es gibt wohl kein treffenderes Bild für den Zustand der Gegenwart, als den «Rasenden Stillstand», den Paul Virilio – wenngleich vor 25 Jahren – für seine Zeit diagnostiziert hat. Die Lektüre des «Rasenden Stillstands» (inertie polaire) ist für den aufmerksam Lesenden auch heute noch von grosser Aktualität: Der Furor, dank elektronischer Kommunikation jederzeit dabeizusein, scheinbar mit allem und jedem verbunden zu sein, die Verführung des gleichzeitigen Teilnehmens an allem. Dennoch: Jeder Zeitdiagnose wohnen – mindestens – zwei Perspektiven inne. Treffen «mediale Ghettoisierung» und «elektronische Apartheid» auch auf die heutige Zeit zu? Sind Geschwindigkeit und Beschleunigung nicht auch Triebfedern eines neuen kreativen Tätigkeitsbereiches, der uns heute genau Teilhabe an der Geschichte ermöglicht, die Virilio der rasend voranschreitenden Technik-Gesellschaft abspricht? Sind Akzeleration und rasche Teilhabe nicht auch Möglichkeiten, in denen zum Beispiel Gesellschaftsformen wie die Demokratie einen neuen Aufschwung erleben können? Oder ist das Gegenteil der Fall?

Insa Wilke hat Germanistik und Geschichte in Göttingen, Rom und Berlin studiert und 2009 promoviert. Sie hat u. a. für die Akademie der Künste und die Freie Universität in Berlin gearbeitet. 2010 erschien ihr Buch «Ist das ein Leben. Der Dichter Thomas Brasch» (Matthes & Seitz). Als Literaturkritikerin schreibt Insa Wilke für die Süddeutsche Zeitung, den Tagesspiegel und ZEITonline sowie den Rundfunk, 2014 wurde sie Wilke mit dem Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik ausgezeichnet. Zuletzt hat sie «Bericht am Feuer. Gespräche, E-Mails und Telefonate zum Werk Christoph Ransmayr» (S. Fischer 2014) herausgegeben.

Michael Pfister hat in Zürich Philosophie und Germanistik studiert und hat in Zürich auch promoviert. Er ist Lehrer für Philosophie und Deutsch an der Kantonsschule Zürich Nord. Zusammen mit Daniel Strassberg leitet er den Lehrgang in Philosophie für Fachleute aus Medizin und Psychotherapie. Bis 2010 gehörte er zum Moderatorenteam der Sendung «Sternstunde Philosophie» des Schweizer Fernsehens SRF. Er ist Koautor des Buches «Pornosophie & Imachination» (Matthes & Seitz), hat mit Stefan Zweifel in einer zehnbändigen Übersetzung des Sades «Justine und Juliette» herausgegeben und schreibt als freier Autor für verschiedenen Publikationen. 2011 ist sein Buch «Das Kind in der Philosophie. Von Heraklit bis Deleuze» (Zytglogge) erschienen.

 

Sie möchten sich gerne schon einstimmen auf die Diskussion? Die folgenden Textpassagen werden Insa Wilke und Michael Pfister als Grundlage dienen:

Aleida Assmann: Ist die Zeit aus den Fugen?, Hanser 2013, S. 192-207 (das Beschleunigungskapitel)

Hartmut Rosa: Beschleunigung und Entfremdung, Suhrkamp 2013, S. 15-33, 89-91, ev. 129-135

Paul Virilio: Rasender Stillstand , Fischer 2008, 4. Auflage, S. 134-136,  144f. ( bis …ihres Auftauchens begrenzt wird.)

                      Der grosse Beschleuniger, Passagen 2010, S. 18-23