Auch wer sich nur angenehm unterhalten will, ist uns willkommen

Die bereits kurz nach der Gründung der Museumsgesellschaft eingerichtete Bibliothek wurde von Beginn an rege genutzt. So heisst es im Jahresbericht 1836: «Das Register der ausgeliehenen Lesegegenstände vom Jahr 1836 weist nach, daß 1’666 Bände und 2’910 Hefte Zeitschriften ausgeliehen wurden.»

Das erste Reglement von 1839 sah vor, dass jedes Mitglied zur Buchausleihe berechtigt war, allerdings nicht mehr als zwei Bücher auf einmal und nicht länger als 14 Tage, wenn sie von einem anderen Mitglied gewünscht wurden. Sich selber am Bücherschrank zu bedienen, war nicht erlaubt: «Um die nöthige Ordnung» aufrechtzuerhalten, war dies allein dem Abwart vorbehalten.

Jahr für Jahr wird von steigenden Ausleihzahlen berichtet. Der Aufwärtstrend hielt bis zum Ende des Ersten Weltkrieges an, als mit 66'165 ausgeliehenen Medien   das Maximum erreicht wurde. Diese Menge und die prekäre Bücheraufstellung brachten das Personal fast an seine Grenzen: «Wir besitzen jetzt an Büchern etwa 680 laufende Meter und von diesen sind nicht weniger als 125 Meter doppelreihig gestellt. Das ist für den Beamten ein unerträglicher Zustand; und wer die enorme Arbeit, die durch dieses schlechte System entsteht, nicht zu würdigen vermag, den lade ich ein, er möge auf etliche Tage das Ausleihegeschäft besorgen. Auf hoher Leiter stehend, erst eine vordere Bücherreihe wegzuräumen, um in der hintern das verlangte Bändchen rasch zu finden, damit dem ungeduldig wartenden Entleiher die Geduld nicht ausgehe, das ist eine Aufgabe, die oft mit Lebensgefahr verbunden ist.« (Jahresbericht 1897)

Die meisten Ausleihen wurden fast immer im März getätigt, die grösste Anzahl Bücherpakete im August verschickt und samstags in der Bibliothek die meisten Benutzer bedient: «Ein Vierteil des Gesamtverkehrs in der Bibliothek vollzieht sich am Samstag; es wäre daher im Interesse besserer Bedienung, wenn die Mitglieder, denen auch an andern Tagen ein Besuch in der Bibliothek nicht unbequem ist, das Auswechseln der Bücher nicht auf den Samstag verschöben.» (Jahresbericht 1900)

Aber welche Bücher oder Autoren wurden überhaupt ausgeliehen? Besonders beliebt waren immer die Novitäten. So beliebt, dass sich die Vorsteherschaft Mitte des 20. Jahrhunderts zu einer Bitte genötigt fühlte: «Bitte lassen Sie möglichst wenig Bücher vormerken! Sie vermeiden dadurch die Blockierung der Novitäten bei der Bücherausgabe. Bitte nehmen Sie nur so viele Novitäten nach Hause, als Sie in 14 Tagen bewältigen können! Bitte lassen Sie keine Novitäten ungelesen zu Hause liegen!» (Jahresbericht 1956). Von einer Einführung einer Novitätengebühr wurde trotz allem abgesehen.

Listen der meistgelesenen Autoren wurden seit 1900 publiziert. Natürlich war der Platz in der Liste auch abhängig von der Verfügbarkeit der Bücher in der Bibliothek. In der ersten Hitliste steht die Autorin Nataly v. Eschstruth mit 354 Ausleihen an der Spitze. Die Liste stiess sogar ausserhalb der Landesgrenze auf Interesse: «Die im letzten Jahresberichte gebotene Statistik darüber, welche Schriftsteller die Mitglieder der Museumsgesellschaft bevorzugen, hat ihren Weg in eine grosse Zahl in- und ausländischer Blätter gefunden, sogar das «Journal des Débats» nahm davon Notiz. Nicht immer waren die Schlüsse, die man daraus zog, vorsichtig.» (Jahresbericht 1901)

Parallel zu steigenden Ausleihzahlen finden sich in den Jahresberichten Klagen über entwendete oder beschädigte Bücher. Die meisten Benutzenden aber bringen ihre Bücher fristgerecht zurück, und in einigen finden sich – manchmal erst Jahrzehnte später – sogar Gegenstände, die versehentlich liegen blieben. Diese Fundgegenstände, weiteres zu Hitlisten, Neuheiten und Wartelisten sowie zu Leserinnen und Lesern und Katalogen finden Sie in der neuen Ausstellung der Museumsgesellschaft im Foyer im 1. Stock sowie im Debattierzimmer im 3. Stock.