«Bei den Patagoniern: Ein Damenritt durch unerforschte Jagdgründe»

Lady Florence Dixie, 1855 als Lady Douglas im Süden von Schottland ge­boren, stammte aus einer britischen Aristokratenfamilie. Ihre Kindheit war überschattet von tragischen Unfällen in der Familie. 1858 starb ihr Vater bei einem Jagdunfall (oder war es doch Selbstmord?). In der Folge konvertierte ihre Mutter zum Katholizismus und übersiedelte nach Frankreich, um ihre jüngsten Kinder katholisch erziehen zu können. 1865 stürzte einer ihrer älteren Brü­der nach der Erstbesteigung des Matterhorns beim Abstieg in den Tod. Seine Leiche wurde bis heute nicht gefunden.

Florence Dixie selber war eine willensstarke, eigenständige Persönlichkeit mit einer abenteuerlichen Ader. Schon als Jugendliche verfasste sie Ge­dichte und war zeitlebens eine sehr produktive Schreiberin.

1878, zwei Monate nach der Geburt ihres zweiten Sohnes, reiste sie mit Mann, Kindern und zwei Brüdern nach Patagonien.

«Und was veranlasste mich, einen so weit entfernten, abgelegenen Ort aufzusuchen? Gerade die Entlegenheit und Entfernung desselben liess mich ihn wählen, denn ich war von der Civilisation und, was mit ihr zusam­menhängt, gelangweilt. […] Es giebt zweifelsohne noch andere ferne, un­bekannte Länder […] allein nirgends befindet man sich so vollkommen al­lein wie dort, nirgends sonst hat man ein Areal von hunderttausend engli­schen Quadratmeilen als Tummelplatz zur Verfügung, auf dem man sich nicht nur eines gesunden, erfrischenden Klimas erfreut, sondern auch vor allen Verfolgungen der Fieber, Freunde, wilden Stämme, schädlichen Tiere, Telegramme und Briefe, sowie anderer Belästigungen sicher ist, denen man sonst überall nicht entgehen kann.»

Die Reise startete in Liverpool und führte per Schiff via Rio, Montevideo und die Magellanstrasse nach Punta Arenas im Süden von Chile. Dort be­sorgten sie sich Pferde und brachen ins Landesinnere, in die Pampa, auf.

Nach ihrer Rückkehr nach England veröffentlichte Dixie 1880 ihre Erleb­nisse im Buch «Riding across Patagonia», das schnell zum Bestseller avancierte. Dabei stellt sie sich, die einzige Frau der Expedition, als «Heldin» in den Mittelpunkt der Geschichte. Sie war ihren männlichen Be­gleitern während der Reise nicht nur ebenbürtig, sondern erwies sich manchmal als stärker oder schlauer. Den Jaguar, den sie aus Patagonien mitbrachte und als Haustier hielt, musste sie allerdings bald in den Londo­ner Zoo geben, da er im Park von Schloss Windsor verschiedentlich Rehe gerissen hatte.

Lady Florence Dixie verfasste auch Romane, Kinderbücher und Reporta­gen. Als Kriegskorrespondentin berichtete sie für die Londoner Morning Post aus Südafrika über den Zulukrieg. Zudem engagierte sie sich leiden­schaftlich für die Rechte der Frauen. So propagierte sie die Gleichberech­tigung der Geschlechter in der Ehe, bei der Scheidung, der Kleiderord­nung und bei der königlichen Erbfolgeregelung.

Als 1894 das erste britische Frauen-Fussballteam gegründet wurde, fun­gierte Florence Dixie als dessen Präsidentin. Ausserdem engagierte sie sich für die Selbstverwaltung von Schottland und Irland, schrieb gegen das Jagen von Wildtieren und bekannte sich zu ihrem wachsenden Athe­ismus. All das machte sie zu Lebzeiten zu einer umstrittenen, aber weit respektierten Persönlichkeit.

Dixie, Florence: Bei den Patagoniern. Ein Damenritt durch unerforschte Jagd­gründe ausgeführt und geschildert von Florence Dixie, Leipzig: Hirt & Sohn, 1882. Signatur D 4800.

 

Mirjam Schreiber

 

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